Getaggt mit: Kindergarten

Unser Kindergarten sollte wegen §35 Baugesetzbuch spontan geschlossen werden

Kind 2 wechselte vor kurzem in einen neuen Kindergarten. Dies lag vor allem an den immer elitärer werdenden Strukturen des alten Kindergartens. Seitdem ist Kind 2 absolut glücklich. Zuletzt fand ich einen Regenwurm in seiner Jackentasche. Der war natürlich getrocknet und sah einem „S“ sehr ähnlich. „Den wollte ich vergraben, damit ein anderes Kind den Wurm finden kann“, lautete die Antwort.

Apropos Wurm. Am 27.11.2014 erreichte den Kindergarten ein E-Mail, die wenig erfreulich war. Beim Baurechtsamt in Stuttgart nahm ein neuer Beamter seine Arbeit auf, was auch der Grund der E-Mail war. Nein, natürlich wollte er sich nicht persönlich bei uns vorstellen, vielmehr informierte er uns über die geplante Schließung des Kindergartens. Die rechtlichen Grundlagen aus baurechtlicher Sicht fasste uns der nette Herr so zusammen:

Es gibt für die ausgeübte Nutzung keine Genehmigung. Der Kindergarten befindet sich im Außenbereich gem. §35 BauGB (Baugesetzbuch), hier sind nur ganz bestimmte Vorhaben, wie z.B. landwirtschaftliche Betriebe zulässig. Kindergärten zählen nicht dazu. Da das Gebäude mitten im Wald steht, verstößt es auf allen Seiten gegen den erforderlichen Waldabstand von 30 Metern (gem. §4 Abs. 3 Landesbauordnung Baden-Württemberg)

Die Umwandlung des Waldes oder die Fällung aller umliegenden Bäume kommt nicht in Betracht. Das bedeutet neben einem erheblichen Haftungsrisiko auch, dass eine Genehmigung nicht erteilt werden kann.

Aus baurechtlicher Sicht kann die Kindergartennutzung wegen der Gefährdungslage auch nicht ohne Genehmigung im Rahmen einer förmlichen Duldung erteilt werden. Bedauerlicherweise kann ich Ihnen daher nur raten, die Nutzung schnellstmöglich einzustellen.

Soweit die nüchterne Lage aus Sicht eine Baurechtsamtsmitarbeiters. Die E-Mail schloss mit den sicherlich gut gemeinten Worten:

Für den sicherlich schweren Gang vor die Elternschaft wünsche ich Ihnen alles Gute.

Meine emotionale Verfassung

Tatsächlich fühlte ich mich vollkommen überrannt. Meine emotionale Verfassung habe ich damals in einigen Tweets festgehalten:

„Ein Kindergarten, der seit 40 Jahren ohne Probleme betrieben wurde, soll jetzt geschlossen werden. #stuttgart“
(Quelle)

„Die Gefahr von einem Tannenzapfen erschlagen zu werden ist höher, als unvorsichtig eine Straße zu überqueren. #Stuttgart“
(Quelle)

Mir gingen sehr viele Dinge parallel durch den Kopf. Wen könnte man auf politischer Ebene erreichen? Ist es clever, die Presse zu informieren, um etwas Öffentlichkeit für das Thema zu bekommen? Fahre ich einfach zum Baurechtsamt und schreie? Schließlich überlegte ich, wie es wohl wäre, wenn ein Beamter zuerst alle „Fälle“ auf ihren Erhalt zu überprüfen hätte und nicht auf ihre Schließung. Was würde passieren, wenn besagter Beamte die Pflicht hätte nach Lücken im Baugesetzbuch zu suchen, die den Erhalt des Kindergartens ermöglichen würden?

Da ich aber selten an Realitätsverlust leide, entschied ich mich erst eine Nacht zu schlafen.

Ein persönliches Telefonat bringt Klarheit

Wir entschlossen uns besagten Beamten vom Baurechtsamt anzurufen. Auch am Telefon blieb der gute Mann völlig stur. Gleichzeitig informierte er uns mit einer nicht zu verachtenden Portion Humor, dass er bereits weitere „Fälle“ in der Umgebung auf dem Tisch hätte, die dann als nächstes dran seien. Vielleicht war es seine ganz persönliche Form von Empathie, ich empfand das als sehr traurig. Aber klar, es ist wahrscheinlich wie mit einem Rettungssanitäter. Wenn dieser in seinem beruflichen Alltag zu starke Emotionen entwickeln würde, könnte er die Arbeit sicherlich nicht sehr lange durchführen. So ähnlich muss es mit dem Mitarbeiter des Baurechtsamts sein. Nur anders.

Die Kindergarten-Eltern legten eine Liste an: Was ist machbar, wer kennt wen persönlich, und wer von den Eltern ist für was verantwortlich. Mir war schnell klar, dass sowohl der Kindergarten, als auch die Eltern ganz großartig sind. Alle wollten für den Erhalt kämpfen. Und hey, das ist der erste Kindergarten, in dem wir uns online organisiert haben. Eines stand sehr schnell fest: Mit den Grünen wollte keiner von uns reden, auch wenn sie sowohl den Bürgermeister der Stadt Stuttgart als auch die Landesregierung stellen. Auf unserer Liste standen:

  • Unterschriften für den Erhalt sammeln
  • Den Fall bei der Bezirksratssitzung in Feuerbach vortragen
  • Weitere Politiker informieren und Termine vereinbaren
  • Menschen ausfindig machen, die vor 40 Jahren als Kinder im Kindergarten waren

So liefen wir Eltern umher und sammelten Unterschriften. Auch am Weihnachtsmarkt in Feuerbach sammelten wir. Dort trafen wir eine nette Dame der SPD, die das Thema zur Bezirksratssitzung in Feuerbach mitnehmen wollte. Ihr lag wirklich sehr viel daran. Vielen Dank dafür. Zur gleichen Zeit machten wir einen Mann ausfindig, der 1973 als Kind in der ersten Kindergartengruppe war. Seine Mutter war Mitbegründerin des Kindergartens. Als er von dem Vorhaben der Schließung erfuhr, war er mehr als geschockt. Auch er informierte einige SPD Politiker aus Feuerbach. So kam das Thema bei der letzten Bezirksratssitzung auf die Agenda.

Nach der Sitzung bekamen wir einen Termin bei Matthias Hahn, dem Baubürgermeister der Stadt Stuttgart. Dann lief alles sehr schnell. Herr Hahn sicherte uns am Freitag, also einen Tag später schriftlich zu, dass der Kindergarten auf keinen Fall geschlossen wird. Durch eine förmliche Duldung haben wir jetzt erst mal die Möglichkeit in Ruhe weiter zu machen. Natürlich ist die förmliche Duldung nicht das Endziel für uns, vielmehr streben wir die Anerkennung für den Kindergarten an. Das werden wir ab Januar angehen.

Meine Gedanken

In Stuttgart habe ich in letzter Zeit verstärkt wahrgenommen, dass einige Kindergärten geschlossen und durch neue Kindergärten ersetzt wurden. Das heisst ein Kindergarten wird abgerissen, an dessen Stelle ein neues Gebäude gebaut wird. Eines, das viel größer ist. Eines, das mehrere Kindergruppen aufnehmen kann. So werden aus Kindergärten mit vorher einer Gruppe, Kindergärten mit dann 5-7 Gruppen. Und natürlich Ganztagsbetreuung. Das meine ich nicht wertend, denn ich glaube, wir benötigen beides. Die „normale“ Betreuung und die Ganztagesbetreuung. Wenn man sich die Schlüssel der Betreuung in Stuttgart ansieht (PDF Datei), dann ergibt sich folgendes Bild:

Die Versorgung für 3-6jährige Kinder liegt laut Kalkulation bei 111,9%. Bei der Ganztagesbetreuung jedoch nur bei 61,4%. Die Lösung kann aber nicht sein, alte Kindergärten mit kleinen Gruppen durch neue mit mehreren Gruppen und Ganztagesbetreuung zu ersetzen. Dann sinkt der Schlüssel für die normale Betreuung nämlich wieder.

Und der Mitarbeiter des Baurechtsamts muss nun wahrscheinlich tatsächlich das machen, was ich bereits weiter oben im Artikel für durchaus sinnvoll erachtete: Er muss nach einer gesetzlichen Lücke suchen, die die förmliche Duldung, die uns Herr Hahn zugesichert hat, möglich macht. Dabei empfinde ich keinerlei Schadenfreude und hoffe, dass er das nicht noch vor Weihnachten angehen muss. Denn in der Zeit, in der er nicht arbeitet, wird auf jeden Fall auch kein Kindergarten geschlossen.

Kind 2, dir wünsche ich auf alle Fälle weiterhin viel Spaß beim Dinosaurier ausgraben, Regenwürmer sammeln, Feuersteine klopfen, schnitzen und was du sonst noch alles Tolles im Kindergarten tust und erlebst. Du wirst es weiterhin tun können. Darüber sind die werte Dame und ich sehr froh. Denn wir haben zwar auch für uns gekämpft, aber hauptsächlich für dich und alle deine Freundinnen und Freunde im Kindergarten. Ihr seid eine wunderbare Gruppe und ich weiss, wie wohl du dich inzwischen dort fühlst. Viel Spaß.

Wie unser Kindergarten zu einem Erzieherinnengarten wurde und warum wir diese Einrichtung verlassen

Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, dann war ich in einem Kindergarten, in dem ich mich sehr wohl fühlte. Einmal in der Woche gingen wir im Wald spazieren und es gab immer etwas zu entdecken. Heute stehen Eltern vor einer unüberschaubaren Anzahl an pädagogischen Konzepten, die hinter einem Kindergarten stehen. Montessori, Waldorf, Waldkindergarten, Freinet, Fröbel, oder darf es doch „nur“ der evangelische oder katholische Kindergarten von nebenan sein?

kinderschuhe auf strasse

Wir gehen dann mal – Foto: realhorax / CC BY-SA 2.0

Warum ich Extreme nicht mag

Zunächst liegt die Entscheidung bei den Eltern. Journelle hat hierzu einen Artikel „Von guten Eltern“ geschrieben, der viele Dinge auf den Punkt bringt. Die Kinder sind gut. Die Eltern sind gut. Und das unabhängig jeglichen pädagogischen Konzepts.

Selbstverständlich sind wir in der heutigen Zeit von allerlei literarischen Ratgebern umgeben, die alle nur das eine möchten: uns Eltern weiterhelfen. Was mich daran stört ist die extreme Positionierung dieser „Bestseller“. Bücher, deren Aussage „Die Kinder sind genau richtig“ ist, findet man eher selten. Dafür existieren verstärkt Titel, die sich mit Kindern im Zusammenhang mit Problemen auseinandersetzen.

Wo bleibt dabei unser Gefühl für unterschiedliche Situationen? Unser tiefstes, innerstes Gefühl, unser Urvertrauen? Wir müssen uns nicht ständig fragen, ob unsere Kinder ok sind, wenn sie sich in einem gewissen Alter verstärkt streiten. Das ist nötig, wenn auch nervenaufreibend. Insofern stoßen wir auf literarischer Ebene bereits auf extreme Positionen und Ansichten.

Verlässt man die Zeilen eines Buches, spiegeln sich die Extreme in unserem Alltag wider. Sonst würde es ja die Ratgeber nicht geben ;) Wir haben uns vor einigen Jahren bewusst dazu entschieden, dass Kind 1 und 2 in ein Montessori Kinderhaus gehen. Ich mochte den ursprünglichen Ansatz Maria Montessoris, der da lautet:

„Hilf mir, es selbst zu tun.“

Wunderbar, denn das beinhaltet eben auch, dass Kuchen in einem Ofen gebacken wird, der heiß ist. Ein Teewasser ist ebenfalls kochend heiß. Ein Messer ist scharf. Wenn die Kinder ihr Bügelperlen-Werk bügeln, dann ist das Bügeleisen? Richtig: heiß. Das finde ich toll. Patricia hat hierzu den schönen Artikel „Messer, Gabel, Schere, Licht – sind für kleine Kinder“ geschrieben, der alles aussagt. Ich möchte meinen Kindern etwas zutrauen und ihnen Vertrauen entgegenbringen.

Doch zurück zum Kinderhaus und zu meiner Abneigung gegenüber Extremen aller Art. Das Kinderhaus ist eine Elterninitiative. Strukturell gibt es einen eingetragenen Verein und die Eltern zahlen einen Mitgliedsbeitrag. Weiterhin gibt es Mitglieder, die keine Kinder im Kinderhaus haben, den Verein aber finanziell weiterhin unterstützen. Vier Vorstände und der Elternbeirat ermöglichen den Austausch zwischen Eltern und Erzieherinnen. Natürlich darf man mit den Erzieherinnen auch einen Termin vereinbaren und bestimmte Punkte ansprechen. Rein rechtlich ist es so, dass alle Eltern und Mitglieder des Vereins, also alle Beitragszahler, die Erzieherinnen angestellt haben. Hinzu kommt eine Förderung der Stadt.

Vom Kindergarten zum Erzieherinnengarten

Anfangs war dieser Kindergarten genau die richtige Wahl. Der Umgang miteinander beruhte auf Respekt und auch mal auf „in Ruhe lassen“, wenn man sich mit jemandem nicht so gut verstand. Die Kinder fühlten sich sehr wohl, was wir daran merkten, dass Kind 1 und 2 nachmittags immer die tollsten Geschichten erzählten.

Nach einigen Jahren trat eine schleichende Veränderung ein, die an keinem bestimmten Datum festgemacht werden kann. Die Veränderung fand auf vielen Ebenen statt.

Eine Dimension war, dass meine Kinder häufiger davon berichteten, dass es neue Regeln im Kindergarten gab. Die Regeln kamen über Monate verteilt und wurden immer mehr. Für mich ist ein verstärktes Auftreten von Regeln ein Anzeichen von Problemen innerhalb der Organisation eines Kindergartens. Vor Kurzem saß Kind 1 am Tisch und erzählte, dass er nun während dem Mittagessen im Kindergarten nicht mehr auf die Toilette darf. Mir ist bewusst, dass Kinder viele Phasen des Tages nutzen, um ihrem kindlichen Spieltrieb nachzukommen. Turnen statt Mittagessen eben. Alles nichts dramatisches. Dass Kind 1 allerdings mit einem Tropfen Pipi in der Hose vor mir stand und sich an die Regel gehalten hatte, das gab mir sehr zu denken. Kind 1 fühlte sich unsicher.

Die andere Dimension war pädagogischer Art. Über Monate hinweg wurde der Abstand zwischen Erzieherinnen und Eltern immer größer. Zumindest für Teile der Elternschaft. Andere Eltern wiederum hatten ein engeres Verhältnis zu den Erzieherinnen als jemals zuvor. Auch das wäre nicht problematisch gewesen, hätte dieser Umstand nicht zu einer Lagerbildung geführt. Die eine Seite redete ständig davon, wie schlecht es den Erzieherinnen ginge und dass sie kein Vertrauen in ihre Arbeit von Seiten einiger Eltern verspüren würden. Die andere Seite wollte einfach nur im gleichen Boot sitzen und die gleichen Informationen haben. Oder auch einfach nur Fragen beantwortet wissen, wie z.B.: „Warum dürfen Kinder während dem Mittagessen nicht auf die Toilette? Und was kann Kind 1 tun, wenn es tatsächlich pinkeln muss?“

Wie dem auch sei, die Lagerspaltung spitzte sich zu. Wer so eine Situation schon einmal erlebt hat, der weiss, wie schwer es ist, den Weg zurück in ein freies, positives Denken zu finden. Misstrauen auf allen Ebenen ist keine gute Grundlage. Kein Tag verging, an dem hinter einer harmlosen Elternunterhaltung eine Verschwörung vermutet wurde. Die Kombination beider Ebenen führte dazu, dass die Situation irgendwann mit Hilfe einer Mediatorin gelöst werden sollte. Natürlich begrüßte ich den Wunsch, die Kluft verkleinern und somit die Probleme aus der Welt schaffen zu wollen. Das einzig Verrückte an der Situation:

Im Mittelpunkt aller Gespräche standen die Erzieherinnen und nicht die Kinder.

Zu welchem Zweck existiert ein Kindergarten? Man diskutierte über verlorenes Vertrauen, ohne konkrete Beispiele zu nennen. Man diskutierte über Gefühle. Vielleicht kommt hier auch mein rationales Denken zu stark durch, aber ich gehe da eher pragmatisch ran. Es gibt Probleme? Lass uns darüber sprechen. Aber bitte konkret. Zum Beispiel so:

„Ich war enttäuscht, dass du mit diesem oder jenem Problem nicht direkt zu mir gekommen bist.“

Das wäre eine gute und vor allem lösbare Aussage. Dagegen stehen getroffene Aussagen wie z.B.:

„Du hast das Vertrauen missbraucht, weil du jemanden kennst, mit dem wir nicht so gut zurecht kommen.“

Das ist dann eher eine Aussage fürs Klo. Spülen. Danke. Bitte. Persönliche Befindlichkeiten sind einer sachlichen Diskussion nicht dienlich. Nebenbei sei nur erwähnt, dass es keine pädagogische Aufgabe ist zu schauen, mit wem ich befeundet bin oder nicht. Liebe Erzieherinnen, um euch daran zu erinnern: ihr macht eine sehr wertvolle Aufgabe und als Vater vertraue ich euch das Wertvollste in meinem Leben an: Kind 1 und 2. Das ist unsere Basis. Wie kann man da von fehlendem Vertrauen sprechen? Und ebenfalls zur Erinnerung: es ist NICHT eure Aufgabe mich als Vater pädagogisch zu betreuen.

Natürlich kommen Pädagogen gerne mit dem Sender-Empfänger Modell. Zu diesem Modell wird immer gegriffen, wenn man Missverständnisse aus der Welt schaffen möchte. Liebe Erzieherinnen, es ist nicht vorteilhaft, sich über ein störungs,- und interpretationsanfälliges Modell eine weisse Weste anzuziehen. Wenn, dann passieren auf allen Seiten Fehler und nicht nur auf einer. Wieso fällt es Pädagogen so schwer sich für etwas zu entschuldigen? Ich habe das gemacht. Ich habe mich entschuldigt. Und ich fühlte mich gut danach. Entschuldigungen von Pädagogen basieren eher auf der Darlegung des Sender-Empfänger Modells und wo es dort zu Fehlinterpretationen kam. Versteht ihr? Eine einfache Entschuldigung reicht vollkommen ;)

Lieber Erzieherinnengarten, wir gehen!

Inzwischen haben diese Vorgänge im Kindergarten längst die Kinder erreicht. Ein weiterer Punkt, der uns unsere Entscheidung leichter machte. Wir haben uns wochenlang vor der Entscheidung gedrückt und haben insgeheim doch auf eine Verbesserung der Situation und des Miteinanders gehofft. Doch der Punkt ist gekommen, euch allen Tschüß zu sagen. Die Zeit bei euch war wunderbar und ich hoffe, dass ihr den neuen Weg so umsetzen könnt, wie ihr euch das vorstellt. Weniger Mitspracherecht für Eltern, weg von einer Elterninitiative hin zu einer Elite-Montessori Einrichtung. Mit SUV und sportlichen Stehfahrzeugen aus Stuttgarter Produktion vor der Tür. Dies sage ich nicht aus einem Neidgedanken heraus, sondern möchte vielmehr an die erste Kindereinrichtung Maria Montessoris erinnern:

„Maria Montessori gründete 1907 in San Lorenzo, einem Armenviertel von Rom, die erste Casa dei Bambini („Kinderhaus“), in dem zum Teil verwahrloste Kinder der sozialen Unterschicht betreut wurden.[1] Die Kinder lernten hier mit großem Erfolg binnen kürzester Zeit Rechnen und Schreiben. Hier verwirklichte Montessori erstmals ihre Vorstellungen von Bildung und erweiterte ihre Methode.“

Die Entwicklung hin zu höheren Beitragssätzen und die elitärere Ausrichtung passen einfach nicht in mein Bild, das Maria Montessori im Sinn hatte. Ich möchte einen Kindergarten, in dem jedes Kind gleich viel wert ist. Einen Kindergarten, in dem Kinder aller sozialer Herkünfte und Nationalitäten gemeinsam sein dürfen. Ein Kindergarten, in dem Menschen mit und ohne Behinderung sein dürfen. Einfach nur Sein. Und wenn euch immer noch nicht klar ist, was ich eigentlich möchte, so kann ich euch abschließend nur mit einem Montessori-Zitat eine schöne Weiterreise für den Weg des Kindergartens wünschen:

„Der Weg auf dem die Schwachen sich stärken, ist der gleiche wie der, auf dem die Starken sich vervollkommnen.“